Hinter den Bildern.

Produktionen, Menschen und Momente. Komm mit hinter die Kulissen von RLM Productions.

„Können wir das nicht schnell mit KI nachbessern?“

„Können wir das nicht schnell mit KI nachbessern?“

Diese Frage kommt inzwischen erstaunlich oft nach einem Shooting. Zähne etwas heller, Haare glätten, Haut optimieren, eine störende Kleinigkeit entfernen. Vielleicht noch den Hintergrund anpassen. Irgendwann fällt dann der Satz: «Das kann man doch heute schnell mit KI machen.»

Ja, vieles davon kann man. Aber genau da beginnt für mich die eigentliche Diskussion: Was verbessern wir, welches Werkzeug setzen wir ein und was geben wir dafür aus der Hand?

Retusche gab es schon lange vor ChatGPT

Manchmal entsteht der Eindruck, KI hätte die Bildbearbeitung erfunden. Dabei gehören Retusche, Farbkorrekturen und die Arbeit an Licht und Details seit Jahren zu meinem Beruf. Vieles davon war lange vor generativer KI möglich.

Retusche war und ist ein Handwerk. Es geht nicht darum, einen Regler möglichst weit nach rechts zu schieben. Ich muss entscheiden, was ich verbessere, ohne dass ein Mensch plötzlich nicht mehr wie sich selbst aussieht. Ein gutes Businessportrait soll dich an einem guten Tag zeigen, keine künstliche Version von dir erschaffen.

Bei KI geht es für mich aber noch um etwas anderes

Wenn ich Menschen für Unternehmen fotografiere, arbeite ich mit erkennbaren Gesichtern und persönlichen Daten. Deshalb interessiert mich, wo Kundenbilder gespeichert werden, wie sie übertragen werden und wer Zugriff darauf erhält.

Nicht jede Retusche erzeugt neue Bildinhalte, und nicht jedes KI-Werkzeug verarbeitet ein Bild automatisch in einer externen Cloud. Entscheidend ist der konkrete Ablauf. Soll ein Portrait an einen externen Dienst übertragen werden, möchte ich vorher wissen, was dort damit passiert.

Wo werden die Daten verarbeitet und wie lange gespeichert? Wer kann darauf zugreifen? Werden die Inhalte für Training verwendet? Welche Einstellungen und Vereinbarungen gelten? Diese Fragen muss ich am jeweiligen Werkzeug klären. Eine pauschale Antwort für «die KI» reicht mir nicht.

„Aber es ist doch nur ein Foto“

Auf dem Portrait ist ein Mensch erkennbar: eine Mitarbeiterin, ein Geschäftsführer oder ein Bewerber. Für mich ist das ein anvertrautes Kundenbild und keine austauschbare Grafikdatei.

Ich möchte es nicht leichtfertig aus der Hand geben, nur weil ein Dienst eine schnelle Korrektur verspricht. Gleichzeitig bedeutet eine externe Verarbeitung nicht automatisch, dass etwas unsauber läuft. Ich muss verstehen, welche Bedingungen gelten und ob der Einsatz zum Auftrag passt. Schnelligkeit allein beantwortet diese Fragen nicht.

Wo endet Retusche und wo beginnt Verfälschung?

Eine kleine Korrektur kann unauffällig sein. Werden aber immer mehr Falten entfernt, Gesichtsausdruck, Haare oder Körper verändert und vielleicht noch ein neues Umfeld erzeugt, verschiebt sich die Aussage des Bildes.

Zeigen wir noch diese Person – oder schon eine künstliche Interpretation von ihr? Das ist für mich die entscheidende Frage. Dass ein Werkzeug eine Änderung ermöglicht, nimmt mir die Verantwortung gegenüber dem fotografierten Menschen nicht ab. Deshalb möchte ich solche Entscheidungen bewusst treffen und mit dem Kunden besprechen.

Ich bin nicht gegen KI

Das wäre auch ziemlich absurd. Ich nutze KI selbst für Ideen, Recherche, Konzepte und Abläufe. Wenn ein Werkzeug sinnvoll hilft, sehe ich keinen Grund, es künstlich zu vermeiden.

Aber ich möchte wissen, was ich ihm gebe und was danach damit passiert. Bei Kundenbildern gehört diese Prüfung für mich genauso zur Arbeit wie die Entscheidung, welche Retusche einem Portrait überhaupt guttut.

Vielleicht brauchen wir irgendwann eher ein Echtheitssiegel

Während über die Kennzeichnung künstlicher Inhalte diskutiert wird, beschäftigt mich auch die umgekehrte Frage: Wie weisen wir irgendwann nach, dass etwas wirklich stattgefunden hat?

Vielleicht lautet die stärkste Aussage eines Bildes dann nicht mehr nur «Das sieht fantastisch aus», sondern auch «Das ist wirklich passiert». Für mich gehören deshalb neben Ästhetik und Technik immer Vertrauen, Verantwortung und Glaubwürdigkeit zur professionellen Fotografie. Daran ändert ein neues Werkzeug nichts.


HINTER DER KAMERA

Robin Kirchhofer, Gründer von RLM Productions, mit seiner Kamera

Robin Kirchhofer

Ich bin Robin, Gründer von RLM Productions. Hier erzähle ich von meinen Foto- und Filmproduktionen – und davon, was hinter den fertigen Bildern steckt.

Eine Idee im Kopf?

Lass uns darüber sprechen, wie wir dein Projekt in Bildern erzählen.

© RLM Productions

Foto und Film. Persönlich erzählt.