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24 Stunden ohne Schnitt: Wenn das Video der Beweis ist

Ein Weltrekord zählt nur, wenn er belegt ist

Stefan Schwitter hat zwischen 2021 und 2023 vier Guinness-Weltrekorde im Kettlebell Swing aufgestellt. Zwei davon habe ich aufgezeichnet: den 1-Stunden-Rekord im Sommer 2021 und den 24-Stunden-Versuch am 13. August 2022 in Pfäffikon ZH.

Guinness World Records nimmt keinen Rekord ins Buch, der nicht lückenlos dokumentiert ist. Zeugen, Jury, Protokoll, und ein Video, das den gesamten Versuch zeigt. Ungeschnitten. Wenn die Aufnahme eine Lücke hat, gibt es keinen Eintrag. Egal, wie viele Kilo bewegt wurden.

Das heisst für den Videografen: Mein Material ist nicht die Erinnerung an den Rekord. Es ist der Rekord. Ohne die Aufzeichnung existiert er für Guinness nicht.

Zwei Winkel, eine Uhr, keine Sekunde schwarz

Die Vorgaben sind klar, und sie lassen keinen Spielraum. Der Versuch muss aus zwei Perspektiven gefilmt werden, frontal und im rechten Winkel dazu, damit die Jury jede Wiederholung prüfen kann. Eine Uhr muss im Bild laufen, damit niemand nachträglich Zeit einfügen oder herausschneiden kann. Und die Aufnahme darf zu keinem Zeitpunkt unterbrochen sein. Nicht beim Kartenwechsel, nicht beim Akkuwechsel, nicht für eine Sekunde.

Wir haben das nicht als zwei getrennte Aufnahmen gelöst, die später jemand zusammenschneidet, und auch nicht als Live-Schnitt, bei dem zwischen den Kameras umgeschaltet wird. Beide Kameras liefen zusammen in eine einzige Aufnahme, Bild in Bild: die Frontale gross, der 90-Grad-Winkel als Einblendung, die Uhr im Bild. Die Jury sieht jede Wiederholung gleichzeitig aus beiden Winkeln, ohne dass irgendwo ein Schnitt sitzt, den man anzweifeln könnte.

Bei einer Stunde ist das anspruchsvoll. Bei 24 Stunden ist es eine andere Kategorie. Kameras sind nicht dafür gebaut, einen ganzen Tag durchzulaufen. Speicherkarten sind voll, Akkus leer, Sensoren werden warm. Jedes dieser Probleme ist einzeln lösbar. Alle zusammen, über einen Tag und eine Nacht, ohne dass ich eine Kamera je ausschalten darf, brauchen einen Plan, der vor dem Drehtag steht.

Strom, Akku, Backup, Stream

Jede Kamera hing am Netz und hatte gleichzeitig einen Akku als Puffer. Fällt der Strom aus, läuft sie weiter. Jede Aufnahme lief auf zwei Speicher parallel. Fällt eine Karte aus, ist die zweite da.

Für den 24-Stunden-Versuch reichte mir das nicht. Wenn nach 19 Stunden ein Gerät stirbt, sind 19 Stunden weg, und Stefan hätte umsonst geschwungen. Deshalb lief die Aufzeichnung zusätzlich als Stream über ein Portal direkt auf einen Server. Zwei Ebenen: lokal auf den Kameras, und ausserhalb des Raums auf einem Server, der nichts von Hitze, Strom oder einem Stolpern über ein Kabel weiss.

Das ist der Unterschied zwischen «wir filmen das» und «wir liefern Beweismaterial». Beim ersten kann man improvisieren. Beim zweiten wird jede Lücke zum Ausschlusskriterium.

Die erste Stunde

Der 1-Stunden-Rekord war der Anfang. Eine Stunde Kettlebell Swing mit 24 Kilo, am Ende standen 37'128 Kilo bewegtes Gewicht. Für mich war das die Probe: Zwei Winkel einrichten, Bild in Bild zusammenführen, Uhr platzieren, Ton mitnehmen, und dann eine Stunde lang nichts anfassen.

Die Erfahrung aus dieser Stunde hat den Plan für den 24-Stunden-Versuch bestimmt. Was in einer Stunde knapp wird, ist in 24 Stunden ein sicherer Ausfall. Also wurde alles verdoppelt, was ausfallen kann.

Die 24 Stunden

Am 13. August 2022 ging es um 254'338 Kilo, den bestehenden Rekord eines Neuseeländers. Stefans Plan: eine Stunde schwingen mit einer 32-Kilo-Kettlebell, eine Stunde Pause, 24 Stunden lang. Eine Jury vor Ort, am Vormittag Publikum und Presse, in der Nacht ein fast leerer Raum, zwei Kameras und eine Uhr.

Für mich hiess das: 24 Stunden anwesend, alle Systeme im Blick, kein Eingriff in die laufende Aufnahme. Kontrolle der Speicher, Kontrolle des Streams, Kontrolle der Bildausschnitte, wenn Stefan nach einer Pause wieder Position bezog. Und die Gewissheit, dass ich nichts korrigieren kann, was schiefläuft. Bei einem Imagefilm dreht man die Szene nochmal. Hier nicht.

Am Ende standen 258'134 Kilo und ein Eintrag im Guinnessbuch. Die Rekorde wurden seither übertroffen, das gehört zu diesem Sport. Der Eintrag von 2022 bleibt, und er bleibt, weil das Material gehalten hat.

Was danach mit dem Material passiert

Guinness bekommt die ungeschnittene Aufzeichnung. Stefan bekommt aus demselben Material einen Film, den er zeigen kann: die Nacht, die Jury, den Moment, in dem die Zahl steht. Das eine ist Beweis, das andere ist Kommunikation. Beides entsteht aus einer einzigen Produktion, wenn sie von Anfang an so geplant ist.

Stefan Schwitter arbeitet heute als Performance Coach, seit 2023 auch für die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft. Mehr zu ihm: zenperformance.ch

Die Rekorde in den Medien: TeleZüri zum 1-Stunden-Rekord (September 2021) · TeleZüri zum 24-Stunden-Rekord (Oktober 2022) · Tages-Anzeiger: Wädenswiler schwingt sich ins Guinnessbuch der Rekorde · cross equip: Vier Guinness-Weltrekorde für Stefan

Was ein Kunde davon hat

Die wenigsten Firmen brauchen einen Weltrekord. Aber viele brauchen eine Aufzeichnung, die nicht scheitern darf: die Generalversammlung, die Keynote, das Podium mit dem Verwaltungsrat, die Schulung, die für zehn Standorte aufgenommen wird. Es gibt keinen zweiten Termin.

Was ich aus 24 Stunden Kettlebell mitgenommen habe, steckt in jeder Eventaufzeichnung, die wir heute machen: doppelte Stromversorgung, doppelte Speicher, zweite Ebene ausserhalb des Raums, und ein Plan, der steht, bevor jemand auf den Aufnahmeknopf drückt.


HINTER DER KAMERA

Robin Kirchhofer, Gründer von RLM Productions, mit seiner Kamera

Robin Kirchhofer

Ich bin Robin, Gründer von RLM Productions. Hier erzähle ich von meinen Foto- und Filmproduktionen – und davon, was hinter den fertigen Bildern steckt.

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